Viele Menschen glauben, innere Führung sei etwas, das man entweder hat oder nicht.Doch in Wahrheit ist Führung eine Rückerinnerung – kein Talent.
Wie führe ich mich selbst, wenn ich es nie gelernt habe?
Wie beginne ich, mich zu spüren, Verantwortung zu fühlen und innere Klarheit zu leben?
Die Menschen, die voller Selbstvertrauen durch ihr Leben gehen, die selbstsicher und stark wirken, haben mich immer am meisten beeindruckt. Ich wollte sein wie sie. Ich fragte mich, wie ich auch so selbstsicher werde. Wie ich es schaffe, meine Meinung auszusprechen, jemandem zu widersprechen oder einfach klar zu sein, ohne mich zu verstecken.
Ich versuchte, selbstsicher zu wirken – und das Einzige, was passierte, war, dass ich immer mehr Probleme bekam.
Ich konnte die Reaktionen nicht halten, ich wurde verletzt und bestätigte mir selbst, dass ich zu schwach bin.
Ein herrlicher Teufelskreis, selbst konstruiert.
Was mir damals niemand sagte – was ich dir heute aber mitgeben möchte – ist:
Wir können nicht bei der Selbstsicherheit beginnen.
Es gibt eine Reihenfolge, und die lässt sich nicht umgehen:
✦ Selbst-Bewusstsein
✦ Selbst-Vertrauen
✦ Selbst-Sicherheit
Bist du dir nicht bewusst, was du magst oder nicht magst, was dir gut tut oder nicht, wie du dich fühlst, wie es dir geht, wie du lebst und warum – wie solltest du dir dann vertrauen?
Vertraust du dir nicht, wirst du deine Entscheidungen infrage stellen.
Du wirst dich selbst erschrecken, zu schnell Ja sagen, obwohl du ein Nein meinst – und dich danach wieder verlieren.
Aus diesem Zustand heraus kann niemand selbstsicher sein.
Darum ist der wichtigste Schritt in die Selbstführung:
Selbst-Bewusstsein.
Dieses Wort bedeutet nichts anderes als:
Ich bin mir meiner selbst bewusst.
Ich weiss, was ich denke, warum ich es denke, was ich möchte und was nicht.
Es bedeutet nicht: Ich bin stark, taff und unerschütterlich.
Also lass uns hier einmal den Druck rausnehmen.
Werde selbstbewusst – nicht selbstsicher.
Das eine kommt aus dem Tun, das andere aus dem Sein.
Und bitte gib dir Zeit.
Wenn ein Mensch zwanzig, dreissig oder vierzig Jahre in denselben Mustern gelebt hat, ist es ein Akt der Selbstliebe, sich Raum zu geben, um sie zu durchbrechen.
Mein Vater sagte immer:
„Wenn es schnell gehen muss, mach langsam.“
Eines der grössten Phänomene unserer westlichen Gesellschaft ist das Gefühl der Fremdbestimmung.
Frag dich einmal ehrlich:
Glaubst du, dein Leben selbst zu steuern?
Oder hast du das Gefühl, dass das Leben ständig gegenlenkt?
Nicht alles können wir beeinflussen – das Wetter, die Gezeiten, vieles mehr.
Aber dein Inneres, deine Haltung, deinen Zustand: den schon.
Denn wenn du die Verantwortung für dein Leben nicht selbst übernimmst,
wird es jemand anderes tun müssen.
Und genau das führt uns zurück zur inneren Führung.
Warum Pferde uns auf diesem Weg so tief helfen können
Das Gefühl von Fremdbestimmung entsteht nicht, weil das Leben dich „falsch“ behandelt.
Es entsteht, weil du nicht bewusst führst.
Wo kein innerer Halt ist, übernimmt automatisch das Aussen.
Und hier kommen Pferde ins Spiel.
Pferde reagieren nicht auf Worte, nicht auf Rollen, nicht auf gelernte Masken.
Sie reagieren auf deinen Zustand.
Neurowissenschaftlich nennt man es ein „soziales Resonanzfeld“:
Pferde haben ein Nervensystem, das Schwingungen liest.
Sie erfassen, ob du bei dir bist, bevor du es selbst merkst.
Darum sind sie Meister des Bewusstwerdens.
Sie spiegeln nicht, was du glaubst zu sein –
sie spiegeln, was du jetzt bist.
Und aus diesem Bewusstsein wächst Vertrauen.
Nicht indem du es übst, nicht indem du dich anstrengst, sondern weil du zunehmend Dinge tust, die dir selbst entsprechen.
Je bewusster du wirst, desto eher handelst du auf eine Art, die dein Vertrauen stärkt.
Vertrauen ist ein Nebeneffekt von Klarheit.
Und aus Vertrauen entsteht innere Sicherheit.
Nicht die laute, nicht die harte, nicht die maskenhafte Sicherheit –
sondern die stille, warme, bodenständige Sicherheit, die Pferde so sehr lieben.
In dieser Energie passiert etwas, das sich nicht erklären lässt, aber jeder Mensch spürt:
Das Pferd folgt nicht, weil es muss.
Es folgt, weil es möchte.
Weil es sich sicher fühlt.
Weil es spürt, dass da ein Mensch steht, der sich selbst führt –
ruhig, wahr, authentisch.
Die Wahrheit, die ich dir heute schenken möchte
Du musst dich nicht verändern, um eine gute Führer*in zu sein.
Du musst nicht stärker werden.
Nicht weniger stark.
Nicht lauter.
Nicht leiser.
Nicht abgeklärter.
Nicht mutiger, als du bist.
Du musst nur aufhören, jemand anderes sein zu wollen.
Innere Führung ist nichts, das man spielt.
Es ist das, was entsteht, wenn du endlich aufhörst, dich zu verstecken.
Jeder Mensch kann sich selbst führen –
egal ob leise oder laut, zart oder kraftvoll.
Und jeder Mensch, der sich selbst führen kann,
kann auch ein Pferd führen.
Nicht, weil er mächtig ist.
Sondern weil er echt ist.
Und Pferde folgen der Echtheit –
immer.
Selina Mathes 🕊️
Mer Lin – Die Kunst der freien Pferde-Kommunikation

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