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Was übrig bleibt, wenn alles Unechte geht

Wenn das Unechte fällt, bleibt nur das, was schon immer wahr war.

 

Viele Menschen sprechen von Authentizität, als wäre es ein schönes Wort, das man in Gespräche einstreut, um irgendwie „nahbar“ zu wirken.

Doch Authentizität ist nichts, das man spielt.

Authentisch sein heisst: echt sein.

      

Und genau hier beginnt es schwierig zu werden – weil viele gar nicht mehr wissen, was echt sein überhaupt bedeutet.

Nicht, weil sie schuld sind, sondern weil sie es vielleicht nie durften.

Nie brauchten.

Nie gelernt haben.

      

Ich begegne diesem Thema jeden Tag – in meinen Coachings, in meinen Nachrichten, mit meinen eigenen Pferden.

Denn Pferde sind unerbittlich klar:

Wenn ich echt bin, reagieren sie auf mich wie auf einen Menschen, den sie wirklich sehen können.

Wenn ich mich verstelle, wenn ich versuche „irgendwie“ zu sein, verändern sie sich sofort.

Sie spiegeln nicht die Version, die ich gerne wäre – sondern die Wahrheit, die ich vielleicht nicht sehen will.

 

Und das ist der Punkt, an dem so viele straucheln:

Sie denken, sie müssten „anders“ sein. Ruhiger, mutiger, souveräner, stärker.

Doch die Wahrheit ist:

Du kannst nicht ändern, wer du bist.

Aber du kannst erkennen, wer du bist – und dich dafür entscheiden, diesen Kern zu lieben.

 

Denn genau dort, wo du aufhörst zu werden, beginnt dein Sein.

Und genau dort beginnt die Erleichterung.

      

Jetzt fragst du dich vielleicht, wie du denn echt sein kannst.

Ja, das ist eine sehr gute Frage, die ich mir selbst sehr oft gestellt habe.

      

Als ich damals in der Psychotherapiestation war, weil ich meine Essstörung heilen wollte, fragte mich mein Mentor immer wieder, wie es mir gehe.

Ich konnte ihn mit meiner Antwort nie zufriedenstellen und verstand nicht einmal warum.

Ich wurde fast wahnsinnig, weil er immer wieder sagte: „Ich frage, wie es Ihnen geht, nicht was Sie gemacht haben.“

      

Ich konnte das nicht verstehen, weil ich es so gewohnt war, mich anzupassen – das zu sagen, was man von mir hören wollte.

Ich war etwas Besonderes, wie du auch, und nicht wie alle anderen.

Als Kind habe ich meine Originalität mit viel Inbrunst gelebt und war geborgen in einer offenen, liebevollen Familie.

Doch je älter ich wurde, desto mehr musste ich spüren, dass Originalität nicht gefragt ist – sondern angepasst sein.

      

Das kann man verstehen, wie man will.

Angepasst im Sinne der Gesellschaft war ich nie, aber angepasst in meinem Freundeskreis.

Ich wurde nicht gemobbt, ich gehörte dazu, ich gehörte zu den „Coolen“ – aber nur, weil ich mich angepasst habe.

      

Ich habe verlernt zu verstehen, was meine Werte sind, was ich denke und sogar was ich fühle.

Ich habe die anderen so gut gespürt, dass ich immer wusste, was von mir erwartet wurde.

Und je nachdem, mit wem ich zusammen war, habe ich mich ein bisschen anders verhalten.

      

Bei den Fragen „Wer bin ich? Was empfinde ich? Wie geht es mir? Was will ich?“ stand ich komplett an.

      

Wie also wird man echt?

Wie kann ich wissen, was ich fühle, was ich denke, was ich will?

Was sind meine eigenen inneren Stimmen – und was kommt von anderen? Was kommt von aussen?

 

Ein Dilemma.

Oder vielleicht einfach der Moment, an dem die Wahrheit zum ersten Mal anklopft.

      

Denn heute weiss ich, wer ich bin – soweit man das überhaupt je komplett verstehen kann.

Ich staune manchmal über mich selbst und bin fasziniert davon, wie schnell ich in alte Muster falle, wie unglaublich trotzig ich sein kann und wie viel Angst ich habe, verletzt zu werden.

Aber genau so staune ich darüber, wie klug ich bin, obwohl ich als Kind dachte, ich sei dumm.

Ich staune über die weisen Gedanken, die durch meine Finger fliessen, wenn ich schreibe – und darüber, was für eine gute Coach ich bin.

      

Ich kenne mich.

Ich muss nicht alles über mich wissen.

Ich muss nicht all meine Themen aufgelöst und alle Traumata geheilt haben.

Ich muss nur wissen, wie ich mich fühle – und warum.

      

Nur?

Ja.

Das ist keine kleine Sache. Und doch sage ich dir: Es ist auch nicht so schwierig, wie es klingt.

Es ist neu.

Und es darf gelernt werden.

      

Ich werde dir nicht einreden, dass es ein Zaubermittel gibt.

Ich werde dir keine Versprechen machen, dass du bei mir nach zwei Wochen ein anderes Leben hast.

Aber ich werde dir etwas sagen, das wirklich wichtig ist:

Lass dir Zeit.

Gehe Schritt für Schritt.

Und wenn du möchtest, lass dich von einem Pferd begleiten – denn was Pferde in diesem Prozess ermöglichen, ist kaum in Worte zu fassen.

      

Und genau an diesem Punkt beginnt etwas, das weit über uns hinausgeht.

Denn Echtheit ist nicht nur eine Frage unseres Lebens – sie ist auch die Grundlage dafür, wie wir mit Pferden umgehen.

      

Pferde können uns nur dann wirklich verstehen – und wir sie –, wenn wir echt sind.

Ein Pferd reagiert nicht auf Worte, nicht auf Theorien, nicht auf schöne Sätze darüber, wie „gewaltfrei“ wir sein möchten.

Ein Pferd reagiert auf unser Inneres.

Auf die kleinste Spannung im Brustkorb.

Auf den Atem, der stockt.

Auf den Gedanken, der sich anspannt wie ein unsichtbarer Faden.

Auf die winzigen Bewegungen, die wir selbst gar nicht bemerken.

      

Wir können Druck am Seil reduzieren, Ausrüstung weglassen oder mit den sanftesten Methoden der Welt arbeiten –

doch wenn wir innerlich unecht sind, spürt das Pferd genau das.

Und dann wird selbst die freundlichste Berührung zu einer Form von Druck, den das Pferd nicht einordnen kann.

      

Echtheit ist deshalb nicht „nice to have“.

Sie ist die Grundlage von Gewaltfreiheit.

Denn Gewalt entsteht nie primär aus Handlungen –

sie entsteht aus Unklarheit, aus Widersprüchen, aus dem Versuch, etwas zu sein, das wir nicht sind.

      

Pferde reagieren nicht auf unsere Masken.

Sie reagieren auf unseren Kern.


Und genau darin liegt die Magie des Mer Lin Prinzips:

Es führt uns zurück in diesen Kern, damit wir in einer Sprache mit unseren Pferden sprechen können, die nicht gelernt, sondern erinnert wird.

      

Denn wenn wir echt sind, entsteht etwas, das keine Methode ersetzen kann:

Verstehen.

Zwischen uns und dem Pferd.

Zwischen dem Pferd und uns.

Zwischen unserem Innen und unserem Aussen.

      

Und erst dann beginnt wirkliche Freiheit.

      

Und genau deshalb sage ich dir: Echtheit ist kein Ziel, sondern ein Weg. Ein Weg zurück zu dir – und zu deinem Pferd.

      

So ist meine Arbeit entstanden.

Merlin hat mich auf Biegen und Brechen in meine Authentizität geführt. 

 

Und weisst du, du musst dich nicht verändern.

Das kannst du auch nicht.

Was du kannst, ist: so echt wie möglich werden.

Damit du dich mit dir selbst – und Hand in Hand mit deinem Pferd – endlich frei fühlen kannst.

 

Wenn du spürst, dass du wieder echter mit dir werden möchtest:

Die fünftägige Impulsreise, die nächsten Montag beginnt, ist genau dafür gemacht.

 

 

Selina Mathes 🕊️

Mer Lin – Die Kunst der freien Pferde-Kommunikation 

 

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