Manche Tage laufen anders, als wir es geplant haben. Und genau an diesen Tagen liegt die Einladung, uns selbst wirklich zu begegnen – im Fühlen, im Bewusstwerden, im Erkennen. Über das bewusste Erleben – und was dein Pferd dir dabei zeigen kann.
An manchen Tagen geht das, was ich mir vorgenommen habe, einfach nicht.
Ich nehme mir viel vor – um ehrlich zu sein, ich mache Pläne über Pläne, weil mir das Halt gibt. Manchmal aber versteife ich mich darauf und werde zu streng mit mir selbst. Ich verurteile mich, rede mir ein, dass ich nichts durchziehen kann, dass ich eigentlich nichts schaffe. Ganz unterschwellig glaube ich mir dann sogar selbst.
Heute wäre so ein Tag gewesen.
Wäre – ja, weil ich heute weiss, wie ich mich selbst auffangen kann.
Ich wurde von zwei verschiedenen Seiten stark getriggert, einmal auf persönlicher Ebene, einmal auf beruflicher. Im ersten Moment habe ich nicht verstanden, dass es eigentlich dasselbe Thema war, das da berührt wurde: das Gefühl, nicht gesehen und nicht wertgeschätzt zu werden, obwohl ich alles gebe.
Jetzt habe ich zwei Möglichkeiten – wahrscheinlich mehr, aber zwei, die für mich gerade sichtbar sind:
Entweder verkrieche ich mich auf dem Sofa, obwohl die Sonne scheint, obwohl ich noch so viel tun wollte – meine Pläne eben.
Oder ich nehme mir kurz Zeit zu atmen. Ich nehme mir Zeit, mich selbst zu fragen, wie es mir wirklich geht.
Ich nehme mir Zeit zu verstehen, was gerade in mir vor sich geht.
Ich nehme mir Zeit, bewusst zu erleben, was geschieht.
Zu oft versuchen wir unsere Emotionen – insbesondere jene, die wir als negativ bewerten – zu verdrängen. Das ist kein Vorwurf. Manchmal ist es sogar eine gute Strategie, denn stellt euch vor, wir würden immer und überall unsere Emotionen ungefiltert leben. Nein, das möchte ich mir nicht vorstellen.
Aber wenn wir das auch dann tun, wenn wir eigentlich Raum hätten – also dann, wenn wir alleine sind –, dann erleben wir nicht bewusst. Dann treffen wir Entscheidungen, die uns im Nachhinein schaden. Zum Beispiel den ganzen Tag auf dem Sofa Serien zu schauen.
Die Konsequenzen sind gross, wenn ich meine Arbeit stattdessen nicht mache, wenn ich mich selbst und meine Bedürfnisse vernachlässige. Und diese Konsequenzen kommen schleichend.
Ich möchte nicht sagen, dass ein Tag vor der Glotze immer eine schlechte Entscheidung ist – absolut nicht. Manchmal ist es Balsam für die Seele. Aber der Punkt ist, dass wir die Entscheidung bewusst treffen sollten, nicht aus dem Bedürfnis heraus, die Emotionen nicht fühlen zu wollen – oder uns nicht zu erlauben, sie zu fühlen.
Ich möchte dich heute mitnehmen in das bewusste Erleben und Erfahren, weil das nicht nur dein Leben erleichtert, sondern vor allem auch die Kommunikation mit deinem Pferd – oder mit anderen Tieren.
Pferde nehmen unsere Emotionen ungefiltert wahr, sie sind Emotionssensoren.
Ihre Wahrnehmung ist nicht durch Sprache, Gedanken oder Bewertungen gefiltert wie bei uns Menschen. Sie lesen Schwingung. Jede Emotion, die wir fühlen – ob Ärger, Traurigkeit, Angst oder Freude – hat eine Frequenz, eine energetische Signatur. Pferde spüren diese Schwingung in unserem Körper, in unserer Atmung, in unserer Haltung, in unseren kleinsten Bewegungen.
Was sie wahrnehmen, ist also nicht was wir sagen, sondern was wir sind in diesem Moment.
Wenn du zum Beispiel sagst, du bist ruhig, aber innerlich Druck verspürst, wird dein Pferd auf den Druck reagieren, nicht auf deine Worte. Es sucht die Balance, weil es als Herdentier auf Kohärenz – also auf Stimmigkeit – angewiesen ist.
Das bedeutet: Wenn du deine Emotionen nicht bewusst wahrnimmst oder sie verdrängst, entsteht für dein Pferd eine energetische Unklarheit. Es reagiert dann nicht „ungehorsam“ oder „widersetzlich“, sondern versucht, das Ungleichgewicht im System auszugleichen. Oft durch Verhalten, das uns herausfordert – und genau dort liegt die Einladung: hinzuschauen, zu fühlen, statt zu kontrollieren.
Was für viele wie Magie wirkt, hat in Wahrheit eine ganz reale, fein erforschte Grundlage.
In einem der nächsten Artikel werde ich dir zeigen, wie tief die Wissenschaft das bestätigt, was Pferde uns seit jeher lehren.
Wie sich all das mit den jeweiligen Charakteren verhält – denn jedes Pferd bringt seine eigene Geschichte, seinen individuellen Charakter und die dazugehörigen Verhaltensweisen mit –, erkläre ich ebenfalls in einem weiteren Blogartikel.
Was du wissen musst, ist, dass dein Pferd immer in Kommunikation mit dir steht. Immer. Das gilt übrigens auch für Menschen. Auch sie haben ihre eigene Geschichte – und doch triggern wir uns gegenseitig immer wieder.
So wie ich heute getriggert wurde.
Ich weiss, dass diese Trigger Zeichen für eine Dysbalance in mir sind – das erkenne ich, weil ich bewusst hingeschaut habe, weil ich gespürt habe, was es wirklich mit mir macht und wo ich berührt wurde. Ich fand mehrere Punkte, die mich in Verantwortung ziehen – nicht die Person, die mich getriggert hat. Das hat mit dieser Person sonderlich wenig zu tun.
Früher hätte ich das nicht gekonnt. Ich hätte mich angegriffen gefühlt, hätte mich verteidigt, gewehrt oder – noch wahrscheinlicher – ich hätte mich zurückgezogen und die Person aus meinem Leben gekickt. Der einfachste Weg, dachte ich. War er aber nicht, denn die Konsequenzen haben mich eingeholt.
Das bewusste Wahrnehmen ist so wichtig, und weil es so wichtig ist, möchte ich dir einen Tipp geben, wie du das umsetzen kannst:
Wenn du – und das haben viele von uns – gelernt hast, streng mit dir selbst zu sein, wirst du nicht leicht sagen können:
„Ich wurde getriggert. Was hat das ausgelöst? Wie habe ich mich gefühlt? Was hat es in mir bewegt – und an was erinnert es mich?“
Vermutlich wirst du unbewusst Angst davor haben, dir selbst Schuld zu geben oder dir eingestehen zu müssen, dass du etwas falsch gemacht hast. Und dann geht’s los – das innere Hämmern, das Kämpfen.
Ich sage jetzt einfach mal: Stopp.
Du darfst das ganz anders angehen.
Setz dich hin, atme ruhig, leg eine Hand auf dein Herz.
Wie geht es dir?
Wie fühlst du dich?
Schau es dir an wie ein Experiment. Du darfst dich wundern. Du darfst erstaunt sein. So in etwa:
„Oh, wie interessant – ich bin wütend auf diese Person. Okay, gut. Und warum? Was genau macht mich wütend?“
„Ah, mich macht wütend, dass sie nicht sieht, was ich alles für sie getan habe.“
„Und ich denke, sie ist eine dumme Kuh, weil sie das nicht gecheckt hat.“
„Oh – eigentlich geht es darum, dass ich viel zu unklar war. Spannend. Genau darum geht’s.“
Und plötzlich erkennst du: Ich habe immer nachgegeben, und das viele Tun wurde selbstverständlich. Jetzt wünsche ich mir Dank – aber vieles habe ich nicht aus Liebe getan, sondern aus Angst, sonst allein zu sein.
Wow.
Das ist aufschlussreich.
Und jetzt kann ich mich fragen: Bin ich wirklich allein, wenn ich meine Grenzen halte?
Und wäre diese Person wirklich eine Freund*in, wenn sie mich nur will, solange ich mich selbst verliere?
Genau so geht bewusstes Wahrnehmen, Erleben und Erfahren – ganz ohne Wertung.
Warum ist das so wichtig im Zusammensein mit Pferden?
Weil es in der Pferdewelt sehr oft darum geht, dass Menschen die Reaktionen ihrer Pferde persönlich nehmen. Sie fühlen sich durch ihre Pferde massiv getriggert und reagieren dann mit Kontrolle, Zurechtweisung oder gar Bestrafung – also mit Emotionen, die das Pferd nicht versteht.
Andere ziehen sich zurück, weil sie Angst bekommen, wenn die Reaktion des Pferdes zu stark wird.
Beides ist für das Pferd nicht tragbar – und auch nicht für den Menschen.
Viele nehmen ihre Pferde gar nicht mehr ernst, belächeln sie oder machen Witze über sie. Auch das ist eine Form, den eigenen Triggern auszuweichen – und spiegelt 1:1, was in uns selbst vor sich geht.
Ich sehe innerhalb weniger Minuten, welche Themen zwischen einem Menschen und einem Pferd stehen, wenn ich höre, wie der Mensch über sein Pferd spricht.
Selina Mathes 🕊️
Mer Lin – Die Kunst der freien Pferde-Kommunikation

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Lena-Sophie (Donnerstag, 06 November 2025 07:24)
Liebe Selina,
Von Herzen lieben Dank für deine Worte. Sie haben mir gezeigt wie viel ich durch dein Wissen, dein Anleiten, dein Sehen, dein Fühlen, dein Anregen bereits erkennen durfte und daraus wachsen durfte und darf und immer mehr zu mir komme und zu meiner Flo! Dieses Bewusstsein darüber rührt mich gerade sehr!
Hab einen wundervollen Tag ���
Fühl dich gedrückt und liebe Grüße an dich, Lena